Museum im alten Zeughaus
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Rückblick

26. Juli 1920 - Tag der Veränderung

Abzug der SHS Truppen
Abzug der SHS Truppen
Interalliierte Räumungskommission mit Bürgermeister Oswald Edler von Kodolitsch in Radkersburg
Interalliierte Räumungskommission mit Bürgermeister Oswald Edler von Kodolitsch in Radkersburg
Die österreichische Gendarmerie und Finanz beziehen erste Wache auf der Murbrücke
Die österreichische Gendarmerie und Finanz beziehen erste Wache auf der Murbrücke

Am 29. Oktober 1918 wurde der Staat der Slowenen, Kroaten und Serben (SHS) gegründet. Mit der südslawischen Staatsgründung wurde die Frage nach den Grenzverläufen der neu entstandenen Staaten aktuell. Die Vertreter des SHS-Königreiches beanspruchten das gesamte untersteirische Gebiet bis einige Kilometer nördlich der Bahnlinie Spielfeld-Radkersburg als ihr Territorium. Die deutschösterreichischen Politiker hatten diesbezüglich andere Vorstellungen. Radkersburg geriet plötzlich ins Zentrum der Auseinandersetzungen. Am 1. Dezember 1918 wurde die Stadt von südslawischen Truppen besetzt. Am 26. Juli 1920 endete die 20 Monate andauernde Besetzung Radkersburgs. Erst durch die Ratifizierung des Vertrages von Paris St. Germain wurde dies möglich.

Die Grenze als Resultat des Ersten Weltkrieges teile das alte Herzogtum Steiermark. Die Mur war bis dahin noch kein Grenzfluss gewesen. Der Friedensvertrag von Paris Saint-Germain vom 10. September 1919 bestimmte durch den Artikel 27 den Hauptverlauf des Flusses stromabwärts als Grenze zwischen der Republik Österreich und dem Königreich SHS und veränderte das Alltagsleben massiv. Radkersburg wurde zur geteilten Grenzstadt.

Nur 21 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg folgte der Zweite Weltkrieg. Danach war Radkersburg eine zerstörte, ausgeplünderte Stadt an einer „toten“ Grenze. Es sollte bis zum Jahr 1952 dauern, bis die erste Behelfsbrücke über die Mur eingeweiht werden konnte.

Die Eröffnung der ständigen Murbrücke als Gemeinschaftswerk Österreichs und Jugoslawiens durch Marschall Josip Broz Tito und Bundespräsident Franz Jonas am 12. Oktober 1969 markierte einen Neubeginn für den Wiederaufbau gutnachbarschaftlicher Beziehungen.

Die wechselvolle Geschichte dieser Grenzregion hatte weitere Höhepunkte mit der Eigenstaatlichkeit Sloweniens 1991 und dem EU-Beitritt unseres Nachbarn am 1. Mai 2004. Dem war der Jugoslawienkrieg, der auch an den Grenzübergängen zwischen Gornja Radgona und Bad Radkersburg sowie Gederovci und Sicheldorf massiv spürbar war, vorausgegangen.

Seit 21. Dezember 2007 gibt es mit Ausnahmen aufgrund des Beitritts Sloweniens zum Schengener Abkommen keine Grenzkontrollen mehr. Als sichtbares Zeichen wurden Grenzgebäude großteils abgetragen.

Das verstärkte Migrationsaufkommen im Jahr 2015 als große menschliche und logistische Herausforderung wurde von den Hilfs- und Exekutivorganisationen dies- und jenseits der Mur mit vereinten Kräften souverän bewältigt. Menschen auf der Flucht führen uns vor Augen, wie fragil und niemals selbstverständlich Frieden ist.

In diesem Zusammenhang möchten wir Sie auf unsere Publikation aufmerksam machen, die im Museum, in der Gästeinfo sowie in der Bürgerservicestelle der Stadtgemeinde Bad Radkersburg erhältlich ist:        

Im Brennpunkt des Geschehens 1918 – 1920. Vom Übermurgebiet über Radkersburg bis Mureck/V žarišču dogodkov 1918 – 1920. Od Prekmurja prek Radgone do Cmureka“.

 

 

 

Das Objekt der Begierde

Eisschlitten aus Zelting Foto Schleich, Bad Radkersburg
Grenzbalken, Foto Schleich, Bad Radkersburg
Telefonzelle aus Hummersdorf, Foto Schleich, Bad Radkersburg

Im Rahmen des Ö1 – Museumssommers werden Objekte aus 50 österreichischen Museen in Kooperation mit dem Österreichischen Museumsbund vorgestellt.

Wir freuen uns, dass das Museum im alten Zeughaus, Bad Radkersburg dabei sein kann. Wir haben drei sehr spezielle Objekte zur Auswahl gestellt. In der Mediathek von Ö1 können Sie sich den Sendungsbeitrag jederzeit anhören (hier klicken).

Natürlich empfehlen wir, alle „Objekte der Begierde“ im Juli und August auf Ö1 akustisch kennenzulernen!